Dienstag, 12. April 2011

Personal Learning Environments - PLE

Was ist PLE?

Personal Learning Environments  (PLE) kann man als Konzept beschreiben, welches unter Einbindung von Social Media-Tools das individuelle Lernen fördern soll/kann. Dabei ist der Begriff des lebenslangen Lernens ein zentraler Begriff. Ebenso wichtig ist der Austausch mit anderen und die Zusammenarbeit.

Webtops

Nun gibt es im Internet ein großes Angebot an Lern-Ressourcen (Internetseiten, Wikis, Blogs, etc.) - oft muss man sich auf verschiedenen Plattformen anmelden, um diese nutzen zu können. Problem dabei ist, den Überblick über diese Ressourcen zu bewahren. Die zweite Hürde ist, dass man sich bei den verschiedenen Diensten anmelden muss und sich die verschiedenen Zugangsdaten merken muss. Abhilfe schafft hierbei das Einrichten eines PLE. Die Idee ist, dass man mit Hilfe eines sog. Webtops (Web Desktop) die individuell benötigten Web-Dienste auf einen Blick verfügbar hat. Dafür kann man Dienste wie Netvibes oder Pageflakes nutzen. Sehr interessant ist auch Elgg, eine open source social networking engine. Mehr Informationen dazu hier.

Welche Funktionen sollten PLEs haben?

Attwell et. al. (2008) führen einige wichtige Funktionen von PLE an:

  • access/search for information and knowledge
  • aggregate and scaffold by combining knowledge and information
  • manipulate, rearrange, repurpose knowledge artefacts
  • analyse information to develop knowledge
  • reflect, question, challenge, seek clarification, form and defend opinions
  • present ideas, learning and knowledge in different ways and for different purposes
  • represent the underpinning knowledge structures of different artefacts and support the dynamic re-rendering of such structures
  • share by supporting individuals in their learning and knowledge
  • networking by creating a collaborative learning environment

(Quelle: Attwell et. al. 2008: S. 82;  [Hervorh. d. Verf.])

Es geht also nicht rein darum, Informationen zu suchen, analysieren und reflektieren, sondern vielmehr auch darum, das angeeignete Wissen und eigene Ideen auch anderen zugänglich zu machen - gemeinsames Reflektieren, Diskutieren, etc..

Vorteile von PLEs


  • Self-Management, Eigeninitative
  • Plattformübergreifendes Lernen
  • Ubiquitious Learning (wann und wo man will - sofern ein Internetanschluss vorhanden ist; auf verschiedenen Endgeräten)
  • Lifelong Learning
  • Austausch mit Anderen
  • Kollaboration


Nachteile von PLEs


  • Vertrauenswürdigkeit der Internetquellen
  • Zurechtfinden im Internet
  • Datenschutz, Urheberrechte
  • Export von Daten (ev. unterschiedliche Formate, etc.)



PLE vs. LMS (am Beispiel von Blackboard)

Der wohl größte Unterschied zwischen PLEs  und Lernmanagementsystemen (LMS) --> Blackboard ist, dass bei PLEs die Initiative von den Lernenden ausgeht, während bei Blackboard die Initiative von den Lehrenden ausgeht. PLEs sind flexibler als Blackboard, da der Lernende mehr Möglichkeiten der Gestaltung hat. Im Blackboard werden zwar auch Tools, wie Wikis oder Blogs, angeboten, trotzdem dient Blackboard eher der Verwaltung von Kursen und der Bereitstellung von Lehrmaterialien. (vgl. Koehler 2011: o. S.)
Deshalb sehe ich PLEs klar als Alternative bzw. als Ergänzung zu LMS. Bei PLEs kann ich Inhalte und Informationen zu verschiedenen Themen und Kursen zusammentragen und miteinander verbinden - dies geht bei Blackboard eher schlecht, da die Tools kursspezifisch angeboten werden und keine kursübergreifende Vernetzung möglich ist (zumindest habe ich noch keine Möglichkeit hierfür gefunden).
Außerdem ist Blackboard nicht für lebenslanges Lernen ausgelegt - Kurse aus früheren Semestern sind nach einiger Zeit nicht mehr zugänglich - und so sind auch die Wiki-Inhalte und Blogposts später nicht mehr zugänglich (meine persönliche Erfahrung).

Lernen mit PLEs

PLE ist eine gute Alternative bzw. eine gute Ergänzung zu LMS. Vor allem das Konzept des lebenslangen Lernens ist ein Argument für PLEs. Wie bereits angemerkt, braucht man für das Einrichten eines PLE gewisse Vorkenntnisse und Internet-Erfahrung bzw. die Fähigkeit, sich kritisch mit Inhalten aus dem Internet auseinander zu setzen.
Trotzdem haben LMS auch ihren Nutzen bzw. ihre Vorteile. Deshalb würde ich nicht sagen, dass diese von PLEs ersetzt werden können.

Weiterführende Literatur:


Attwell, Graham/Bimrose, Jenny/Brown, Allan/Barnes, Sally-Anne (2008): Maturing learning. Mash up Personal Learning Environments. In: Wild/Fridolin, Kalz, Marco/Palmér, Matthias (Hg.): Proceedings of the First International Workshop on Mashup Personal Learning Environments (MUPPLE08). Maastricht, Netherlands, September 17, 2008. In Conjunction with the 3rd European Conference on Technology Enhanced Learning, EC-TEL 2008, Maastricht School of Management, Maastricht, Netherlands, Sep. 18-19 2008. Vol. 388, Maastricht, 17. September 2008, S. 78-86. Kapitel Online unter: http://sunsite.informatik.rwth-aachen.de/Publications/CEUR-WS/Vol-388/attwell.pdf, 11.04.2011


Koehler, Katrin (2011): LMS vs PLE. Blogpost vom 23.3.2011. Online unter: http://agilelearn.posterous.com/lms-vs-ple, 11.04.2011


Magenheim, Johannes/Meister Dorothee M. (2010): Potentiale von Web 2.0-Technologien für die Schule. In: Albers, Carsten/Magenheim, Johannes/Meister Dorothee M. (Hg.): Schule in der digitalen Welt. Medienpädagogische Ansätze und Schulforschungsperspektiven. Wiesbaden: VS Verlag, Kapitel 4.4-5, S.35-38 (Buchvorschau online unter: http://books.google.at/books?id=Oy-9LpFEkTQC&pg=PA35&dq=personal+learning+environments&hl=de&ei=kIChTYeqD8jCtAaNmpSDAg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CD4Q6AEwAg#v=onepage&q=personal%20learning%20environments&f=false, 10.04.2011)


Miligan, Colin D./ Beauvoir, Phillip/Johnson, Mark W./Sharples, Paul/Wilson, Scott/Liber, Oleg (2006): Developing a Reference Model to Describe the Personal Learning Environment. In: Nejdl, Wolfgang/Tochtermann, Klaus (Hg.): Innovative Approaches for Learning and Knowledge Sharing. First European Conference on Technology Enhanced Learning, EC-TEL 2006, Crete, Greece, October 2006, Proceedings . Berlin, Heidelberg: Springer, S. 506-511 (Buchvorschau online unter: http://books.google.at/books?id=1dZBIBFQ2uwC&pg=PA508&dq=personal+learning+environments&hl=de&ei=O3yhTcSjCcOQswbgnOHmAQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CEAQ6AEwAg#v=onepage&q=personal%20learning%20environments&f=false, 10.04.2011)

Wheeler, Steve (2010): Open Content, Open Learning 2.0: Using Wikis and Blogs in Higher Education. In: Ehlers, Ulf Daniel/Schneckenberg, Dirk (Hg.): Changing Cultures in Higher Education. Moving Ahead to Future Learning. Berlin, Heidelberg: Springer, S. 103-114. Kapitel Online unter: http://www.springer.com/cda/content/document/cda_downloaddocument/9783642035814-c1.pdf?SGWID=0-0-45-856030-p173922104, 10.04.2011

Links

http://personallearningenvironments.wordpress.com/, 11.04.2011
http://www.elearningeuropa.info/files/media/media11561.pdf, 11.04.2011
http://michelemartin.typepad.com/thebambooprojectblog/2007/04/my_personal_lea.html, 11.04.2011
http://net.educause.edu/ir/library/pdf/ELI7049.pdf, 11.04.2011
http://sunsite.informatik.rwth-aachen.de/Publications/CEUR-WS/Vol-388/attwell.pdf, 11.04.2011
http://agilelearn.posterous.com/lms-vs-ple, 11.04.2011

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